Tagträume
“Du hast einen Deal mit dem Teufel und stellst fest, dein Arschloch ist zu klein.”
“Hä?”
“Nix ‘Hä?’ sondern ‘Scheiße!’”
“Was soll mir das jetzt sagen?”
“Das wir Mist gebaut haben.”
“Tun wir das nicht immer?”
“Maul halten. Das wird hier ein betrunkener Monolog. Also etwas mehr Respekt, bitte!”
“Fick dich.”
“Na also, schon besser. Fluchen befreit. Und wir sollten uns öfter befreien. Das geschieht viel zu selten. Zu kleines Arschloch, davon spreche ich. Wir verkneifen uns frei-sein. Und unser Loch wird kleiner und kleiner und kleiner…”
“Du schweifst ab. Kleiner wird’s nicht mehr.”
“Ooooh doch!!! Bis wir Scheiß Verstopfungen von lauter Wünschen, Hoffnungen und Sehnsüchten kriegen! Wir wünschen ja nicht einfach nur, wir sehnen, betteln, beten oder jammern – wobei man bei den letzten zwei gar nicht unterscheide kann, was beschissener ist. Es verstopft unsere Poren, man fühlt sich nicht mehr wohl in seiner Haut. Anfangs merkst du es nicht. Wie Asche, die von einem Vulkan auf dich herab regnet. Bleibt überall an dir haften, du atmest es ein und völlig unbemerkt, verklebt Asche deine Lungenblässchen. Ein harter Klumpen aus Beton, der dich umbringt! Der ganze verdammte Dreck kommt uns zu den Ohren raus und macht uns fertig. Feeeertig! Wir sind fertig, weil wir voll bis zum Rand mit Scheiße stecken. Und jetzt reich mir die blöde Flasche.”
“Findest nicht, es reicht allmählich?”
“Niemals!”
Protestierendes Rülpsen.
“Widerlich.”
“Exakt. Fühlt sich aber gut an. Nicht dieses seltsame sexuelle. Ernsthaft, wer fickt Leute, die sich eine Mülltonne dabei über den Kopf stülpen? Was soll das?”
Gemeinsames Kichern.
“Nein komm schon, jetzt mal ernsthaft, hör auf zu trinken.”
“Halt doch mal die Klappe. Es nervt wenn du den Moralapostel raushängen lässt. Deine neugewonnene Scheinheiligkeit kotzt mich sowieso an!”
“Was?!”
“Ja, ja… komm, spiel nicht die Empörte. Was hast du geglaubt, dass passieren wird?
‘Juhuu, schaut her Leute: Ich akzeptierte endlich mein menschliches Unvermögen, meine Unvollkommenheit und die daraus resultierende, zwangsläufig immer wiederkehrende Fehler, die ich tun werde! Liebt mich doch dafür oder schenkt mir Geld!’
Glaubst du wirklich?
Allen ernstes, glaubst du wirklich, irgendwen interessiert das nen Scheiß?
Oder ist unsere Welt davon irgendwie besser geworden?
Irgendwie?!
Nein.
Nichts wird besser. Liebe wird immernoch schmerzen, du wirst weiterhin falsch liegen, die falschen Entscheidungen treffen, die harten, steinige Pfade im Leben einschlagen. Und du wirst sie immer, immer, immer, immer wieder alleine gehen. Weil du unfähig bist zu reden! Du sitzt weiterhin mit mir alleine hier.
Wir sind allein, weil du es nicht zulassen kannst.”
“Das ist nicht richtig.”
“Hä? Ich höre dich nicht! Lass die Heulerei und sprich vernünftig mit mir!”
“Die Welt braucht sich nicht für mich ändern. Ich veränderte mich.
Und ich mag dich betrunken nicht mehr.
Du bist wie ein böser Flaschengeist, der mich in meinem Kopf allgegenwärtig in Versuchung bringt. Lieber ersticke ich an meinen Wünschen als weiterhin von dir in den Arsch gefickt zu werden.
Verschwinde wieder in die Weinflasche!
Husch, husch, Flaschengeist!”